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Kontrollverlust


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Es war der 28. Mai, gegen 16:15 Uhr. Ich saß einfach nur auf einer Bank, habe etwas getrunken und wollte dann zur Straßenbahn laufen. Kaum hatte ich mich erhoben, wurde ich von einem Mann, der offensichtlich keinen deutschen Hintergrund hatte, aggressiv angeschnauzt. Mein erster Gedanke war noch, ich hätte etwas liegen lassen und er wollte mich nur darauf aufmerksam machen. Doch schnell wurde klar: Es war einfach nur feindseliges Angebrülle – vermutlich wegen meiner Glatze, wer weiß. Dass ich durch solche Erlebnisse erst recht eine Abneigung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund entwickle, macht die ganze Situation so irrwitzig.

Es erinnert mich an andere Erfahrungen: Manchmal hat man das Gefühl, bestimmte Gruppen nerven einen so lange, bis man dann doch Vorurteile entwickelt – nicht, weil man es wollte, sondern weil die Geduld einfach erschöpft ist. Warum ist das so? Warum müssen solche Dynamiken entstehen?
Was mich zusätzlich belastet: Dass die Gesellschaft einen sofort in eine Schublade steckt, sobald man seine persönlichen Kämpfe, Störungen oder Pronomen nicht offen auf die Stirn geschrieben trägt. Das frustriert ungemein.

Kaum war ich in der Straßenbahn, ging es weiter: Beim Umsteigen – die Linie fährt sonst weiter nach Leuna – wollte ich gerade einsteigen, da gab ein älterer Herr am Steuer richtig Vollgas. Er hielt zwar kurz, beschleunigte dann aber ruckartig, während ich noch auf der Fahrbahn stand. Ich habe mich wirklich im letzten Moment zur Seite werfen können. Das Auto raste haarscharf an mir vorbei – absichtlich? Ich weiß es nicht. Am liebsten hätte ich reagiert, mich gewehrt. Aber ich wusste: Wenn ich etwas sage oder tue, bekomme ich wahrscheinlich wieder selbst Ärger. So ist das leider immer.

Sag mal, steigt denen allen die Hitze zu Kopf oder was? Alter, wirklich. Heute ist wieder so ein Tag, an dem man einfach nur noch den Glauben an die Menschheit verlieren kann.

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